Sovereign Cloud Stack (SCS)
Der Sovereign Cloud Stack (SCS) ist ein von der Open Source Business Alliance (OSB Alliance) betreuter und öffentlich geförderter Referenzstandard für offene Cloud-Infrastrukturen. SCS bündelt bewährte Open-Source-Technologien für virtuelle Server und Speicher (OpenStack und Ceph) sowie für moderne Container-Umgebungen (Kubernetes und Cluster API) zu einem einheitlichen, gemeinsam gepflegten Gesamtsystem.
Der Kerngedanke hinter dem Sovereign Cloud Stack: Wenn verschiedene europäische Rechenzentrumsbetreiber und größere Unternehmens-ITs exakt dieselben standardisierten Schnittstellen und Bausteine einsetzen, entsteht ein Netzwerk kompatibler Cloud-Anbieter ohne proprietäre Insellösungen.
Welchen Vorteil SCS-kompatible Cloud-Anbieter für den Mittelstand bieten
Viele Unternehmen zögern beim Wechsel von einem großen US-Hyperscaler zu einem mittelständischen europäischen Cloud-Anbieter aus Sorge, sich stattdessen von einem einzigen kleineren Hoster abhängig zu machen.
Setzt der gewählte Provider auf den zertifizierten Sovereign Cloud Stack, entfällt dieses Risiko weitgehend: Da die technischen Schnittstellen (APIs) für Server, Speicher, Netzwerke und Kubernetes-Cluster exakt standardisiert sind, lassen sich automatisierte Bereitstellungsskripte (z. B. mit OpenTofu) ohne Umbau zu einem anderen SCS-Anbieter oder ins eigene Rechenzentrum mitnehmen.
Warum „OpenStack“ allein noch keine reibungslose Portabilität bedeutet
In der Praxis werben viele Rechenzentren pauschal damit, dass ihre Cloud auf OpenStack oder Kubernetes basiert. Ohne verbindlichen Standard wie SCS unterscheiden sich solche Installationen im Detail jedoch oft erheblich – etwa bei der Netzwerkkonfiguration, den Lastverteilern (Load Balancern) oder der Benutzeranmeldung.
Erst das offizielle SCS-Konformitätssiegel stellt über automatisierte Prüfverfahren sicher, dass sich die Plattform in der Praxis tatsächlich wie jede andere SCS-Umgebung verhält.
3 Empfehlungen für die Auswahl europäischer Cloud-Plattformen
- SCS-Kompatibilität bei Cloud-Ausschreibungen abfragen: Prüfen Sie bei der Auswahl europäischer IaaS- und Kubernetes-Anbieter gezielt, ob die Plattform nach den Kriterien des Sovereign Cloud Stack zertifiziert ist.
- Container-Cluster über den Cluster-API-Standard verwalten: Nutzen Sie für den Aufbau und das Update Ihrer Kubernetes-Umgebungen den in SCS verankerten Cluster-API-Standard, um Entwicklungs- und Produktivsysteme einheitlich zu steuern.
- Anwendungsdaten in standardisierten Diensten halten: Verwenden Sie innerhalb Ihrer Cloud-Umgebung offene Datenbanken (wie PostgreSQL) und S3-kompatiblen Objektspeicher, damit Ihre Daten jederzeit portabel bleiben.
Lesen Sie passend dazu die Glossareinträge zu Gaia-X & Europäische Datenräume und OpenTofu (IaC).
Mathias Diwo
Recherchiert, analysiert und schreibt auf TechNavigator.de über alltagstaugliche Wege zu digitaler Datenhoheit, IT-Architektur und Souveränität für Mittelstand, Geschäftsführung und IT-Leitungen.